Erwin Schulz

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Erwin Schulz (* 13. Oktober 1912 in Berlin-Tempelhof, † 12. September 2012 in Berlin)

Erwin Schulz war der Sohn eines Schlossers und einer Blumenbinderin. Mit zehn Jahren wurde Erwin Schulz Mitglied im Arbeitersportverein Fichte. Eine Lehrstelle bekam er nicht und wurde zum besseren „Laufburschen“ im Kaufhaus Jonas. Hier wurde Schulz 1927 Gewerkschaftsmitglied, was bald zur Entlassung und jahrelanger Arbeitslosigkeit führte. Er nahm an Demonstrationen und am Kampf gegen den aufkommenden Faschismus teil. Auch die Uneinigkeit der Arbeiterparteien erlebte er und musste feststellen, dass die Losung der Kommunisten „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg“ schreckliche Wahrheit wurde.

Als die Nazis an die Macht kamen, gehörte er zu den wenigen, die sich ihnen sofort entgegenstellten. Mit einigen anderen Fichte-Sportlern traf er sich weiterhin, um Widerstand zu organisieren. Als Tarnung dienten dem Vorstand von Fichte-Tempelhof dabei auch Musikabende bei seiner Schwester. Die Gruppe entwarf Texte und verteilte Flugblätter. Erwins Schwester schrieb dafür die Matrizen.

1935 wurde die „Kampfgemeinschaft Rote Sporteinheit“ an die Nazis verraten. Bei einem illegalen Treff wurde Schulz verhaftet. Wegen angeblichem „Hochverrat“ wurde Erwin Schulz zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt und kam ins Zuchthaus Luckau. 1937 kam er ins Strafgefangenenlager Börgermoor, später in die Lager Esterwegen und Aschendorfermoor. Nachdem sich seine Schwester vehement für ihn einsetzte, wurde er 1940 entlassen.

1942 wurde er für das Strafbataillon 999 zwangsrekrutiert und kam zur „Afrika-Division“. Er konnte fliehen und begab sich in Gefangenschaft. Nach britischer und amerikanischer Gefangenschaft konnte er 1946 nach Deutschland zurückkehren.

1947 war er endlich wieder in Berlin. Sein ganzes Sinnen und Trachten galt der Verbreitung der Wahrheit über Krieg und Faschismus und dem Neuaufbau. Anfang der sechziger Jahre begann seine Tätigkeit beim Reisebüro der DDR in Schweden, die er bis zur Rente ausübte. Natürlich war Erwin nach dem Krieg gleich der Berliner VVN beigetreten. Nach deren Auflösung wirkt er aktiv im Kreiskomitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer Köpenick mit und setzte sich für die Entstehung der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche und weiterer Erinnerungen an den antifaschistischen Widerstand ein.

Schulz wurde zum Gesprächspartner für viele Schulklassen und Jugendgruppen. 2005 erhielt er die Bürgermedaille des Stadtbezirks Treptow-Köpenick. Im April 2011 nahm er als ältester Kongressteilnehmer am Bundeskongress der VVN-BdA teil.

Quellen